So oder so ähnlich höre ich es oft, wenn Leute mich mit teuren Systemkameras, Objektiven, Stativ und Panoramavorrichtung beim Herumhantieren beobachten.
Warum das zwar nicht ganz falsch, aber auch nicht ganz richtig ist, will ich hier heute mal anhand eines konkreten Beispiels beleuchten. Wir reden hier übrigens nur vom Thema „Fotos“ – das Thema „Videos mit dem Handy“ ist eine andere Schiene und wird hier nicht beleuchtet.
Um es vorwegzunehmen:
Die meisten Mobiltelefone der aktuellen Technikgeneration liefern heute eine erstaunliche Bildqualität. Da hat sich in den letzten Jahren enorm viel getan und entwickelt.
Für alle, denen es weniger auf das letzte Quentchen Qualität, sondern vor allem auf schnelle Schnappschüsse, Erinnerungs- und Alttagsfotos ankommt, ist die Kamera des Mobiltelefones die perfekte Lösung: Immer dabei, immer vefügbar, leicht und unauffällig, ohne grosses Gebastel mit Bildbearbeitungsprogrammen sofort verwertbare Bilder und Erinnerungen. Blitzschnell können die geschossenen Bilder ausserdem auf irgendwelche „Social-Media“-Plattformen hochgeladen oder an Freunde gesendet werden.
Und wer sich ein bisschen mehr mit den Bilddateien aus dem Mobiltelefon beschäftigt, beispielsweise unter Verwendung von Bildbearbeitungs-Apps auf dem Handy selbst oder sogar auf dem Computer – auch auf dem Handy sind ja schon eine Weile die Aufnahmen von Rohdaten möglich – kann durchaus gute Bilder und Panoramen erschaffen.

Der Grund dafür: Eine Handykamera hat konstruktionsbedingt nun mal einen ziemlich kleinen Sensor und weniger lichtstarke sowie optisch nicht so hochwertige Objektive verbaut. Um dies auszugleichen, werden die Aufnahmen im Handy per Software „optimiert“. Dabei werden intern mehrere Bilder in Sekundenbruchteilen verrechnet, um für den Benutzer ein für den Durchschnitt der Betrachter optisch gefälliges Ergebnis zu erreichen.
Bei gutem Tageslicht funktioniert das inzwischen wirklich gut. Unter anderem deswegen sehen Eure Handy-Urlaubsfotos aus der Karibik oder Eurer Sommer-Städtereise immer so knallig und satt aus 😉 Diese vom Algorithmus des Handys automatisch optimierten Bilder, meistens überschärft, mit (zu) starkem Kontrast und eigentlich übersättigt, sind aber nachträglich nur noch schwer zu korrigieren.
Auch für grosse Drucke stösst eine Aufnahme oder gar ein Panorama aus dem Handy auflösungstechnisch schnell an seine Grenzen. Details wirken dann „matschig“ oder verschwinden ganz im Pixelbrei, weil einfach in der Handyfoto-Datei nicht genug Bildinformationen gespeichert werden. Aber wann macht man schonmal ein Foto um einen ganzen S-Bahnhof zu bekleben…;-)
Darüber hinaus haben diese auf den ersten Blick guten Aufnahmen aus einem Mobiltelefon (und auf einem Handy-Display sieht fast alles erstmal „gut“ aus) eine weitere Einschränkung. Und zwar auch bei gutem Tageslicht, allerspätestens aber ab Sonnenuntergang: Schärfe, Details, Kontraste, Rauschen, Farben und Dynamik der Bilder aus dem Handy können insgesamt nur geringer sein und weniger „Reserven“ haben, als Bilddateien aus einem grossen Sensor mit optisch besseren Objektiven sowie ohne grössere automatisierte Eingriffe von Software in die Bilddateien einer Systemkamera.
Nochmals betont: Wer Erinnerungen per Handy sammelt, für den ist das auch völlig ok und absolut in Ordnung. Nicht jeder will eine Kamera mit Objektiven, Stativ usw durch die Gegend schleppen, nicht jeder guckt sich seine Bilder in Vollauflösung auf einem grossen Monitor an und kennt dabei jeden Pixel persönlich.
Wer aber Spass am Fotografieren und den Ergebnissen hat, oder zum Beispiel Bildmaterial für Kunden erstellt oder verkauft, wird mit einem Mobiltelefon nicht weit kommen.
Tele-Aufnahmen sind oft nicht oder nur eingeschränkt möglich oder gar nur „Digitalzoom“, also auf Kosten der Auflösung aus dem Bild ausgeschnitten. Langzeitbelichtungen beispielsweise sind mit dem Mobiltelefon nur eingeschränkt machbar. Oder als weiteres Beispiel: ich habe vor einiger Zeit mal ein 360°-Panorama von Berlin für einen Kunden erstellt. In das kann ich man bis ins Detail hineinzommen und noch in die Fenster der Wohnhäuser gucken.Selbst mit einer guten Handykamera ist das technisch (noch) nicht möglich. Okay, sowas macht man ja auch nicht jeden Tag 😉
Selbst mein kleinstes und bekanntes Panorama ist und musste aufwändig in voller Grösse mit einer „richtigen Kamera“ entstehen, und würde SO bis heute von keiner Mobiltelefonkamera geliefert werden.
Ein konkretes Beispiel
Als konkretes Beispiel habe ich hier für Euch mal ein Panorama aus Potsdam. Einmal aus einer CANON EOS, einmal aus einem Mobiltelefon (eine Marke nenne ich hier bewusst nicht).
Bevor Ihr im Text hier weiter scrollt, guckt mal zuerst auf die folgenden Panoramen, ohne die Dateinamen zu beachten – wer erkennt, welches Panorama mit einem Mobiltelefon und welches mit einer Systemkamera entstanden ist?


Das oberste Panorama hat mein Mobiltelefon so ausgespuckt. Das untere ist unbearbeitet aus den Einzelaufnahmen der „richtigen“ Kamera nur zusammengestitcht. Nebenbei: Das hier schiefe und dann „fertige“ Beispiel-Panorama könnt Ihr Euch HIER anschauen.
Normalerweise ist es übrigens umgekehrt: Meine Handy-Panos sind erstmal schief und so, die Fotos aus der Kamera hingegen korrekt ausgerichtet. Keine Ahnung warulm ich hier irgendwie geschlafen habe, wahrscheinlich #ausGründen nicht ganz bei der Sache gewesen 😉 Sei es drum, bei diesem Beispiel kommt es ja auf etwas anderes an:
Natürlich kann man über Farben, Bildschnitt und so weiter unterschiedlicher Meinung sein – aber spätestens aber wenn man sich irgendein Detail in voller Grösse anguckt, sieht man den Unterschied. Zum Vergleich nehme ich hier mal das Kuppelkreuz auf der Kirche:
Zuerst das Detail aus dem Panorama der richtigen Kamera, drunter aus dem Panorama mit dem Handy:


Noch klarer wird der Unterschied bei noch stärkerer Vergrösserung. Wieder ist die obere Aufnahme die aus der Kamera, die untere aus dem Handy:


Da ist in der Kamera im Handy eben keine Reserve mehr, wenig Auflösung und die Algorithmen im Handy haben das Bild schon komprimiert und angepasst.
Nerdkram aus der Fotoblase, sicherlich 😉 Doch selbst wenn dieser Unterschied nicht für jeden wichtig ist, potenziert er sich bei grossen Drucken, schlechtem Licht oder am Abend bzw der Nacht im Detail.
Meine Bilder kann man zum Beispiel auch für sehr grosse Drucke erwerben – keine Handyaufnahme kann dafür eine entsprechende Datei für einen qualitativ hochwertigen und detailreichen grossen Druck liefern. Und nein, auch nicht wenn das Bild per KI-Tools hochinterpoliert wurde. Da fehlen schlichtweg Bildinformationen, wie obenbereits erwähnt dem kleinen Sensor sowie Bildverarbeitungs-Algorithmus schon im Handy geschuldet.
Und die Zukunft?
Ich persönlich nehme an, dass in einigen Jahren kaum jemand mehr eine extra Kamera mit Objektiven besitzt. Die Kameras in den Mobiltelefonen werden jetzt schon von Handygeneration zu Handygenaration merklich besser.
Sensoren und die im Handy verbauten Optiken werden immer noch weiter optimiert, schon heute gibt es zudem handliche Zusatzobjektive und ganze Filtersysteme, passend für das Handyfoto-Universum.
Software und KI (ist ja auch nur Software ;-)) wird schliesslich noch mehr als bereits heute dafür sorgen – so meine Meinung – dass Fotos aus einem Mobiltelefon dann annähernd die Qualität wie aus einer heutigen Systemkamera haben werden.
Ausser für einige Spezialanwendungen und Foto-Enthusiasten wird dann kaum jemand mehr kiloweise Fotoausrüstung rumschleppen.
Natürlich sind ausnahmslos alle meine Panoramen aufwändig mit „echten“ Kameras, Stativ und Nodalpunktadaptern entstanden, dazu reichlich Bearbeitung am Rechner.
Dabei nutze ich die Panorama-Funtion des Handys übrigens oft selber an einem Motiv vor Ort, um die Panorama-Bildwirkung eines geplanten Panoramas abschätzen zu können. Die Qualität dessen, was das Handy dann ausspuckt, ist dabei dann völlig unwichtig. Egal ob das unscharf, schief, verrauscht, verwackelt ist – es geht mir dabei nur darum, abschätzen zu können ob und wie das gewünschte Panorama „wirkt“.
Also: Wer kein weiteres Interesse an „Fotografie“ hat, seine Bilder als schnell verfügbare Erinnerungen haben möchte, ist mit einem aktuellen Mobiltelefon und dessen Kamera bestens versorgt. Vergesst nur nicht, diese Euch vielleicht wichtigen Fotos auch mindestens auf einem weiteren Speicherort NICHT auf dem Mobiltelefon zu sichern – aber das ist ein anderes Thema.
Wer keine Lust (mehr) hat, eine normale Fotokamera herumzutragen, aber stattdessen in das Thema „gute Handyfotos“ tiefer einsteigen möchte, wird kaum darum herumkommen, sich mit speziellen Foto-Apps und Hintergrundwissen zu beschäftigen. Da diese Apps ziemliche Anforderungen an Rechenleistung des Handys und den Speicherplatz stellen – neben dem reinen Speicherplatz für die Fotodateien – ist auch die Verwendung eines aktuellen und leistungsstarken Mobiltelefons mit reichlich Speicherplatz angeraten.
Für alle, die auch im Detail schärfere Fotos haben wollen oder benötigen und Spass an der Fotografie haben, ist aktuell eine Systemkamera mit Objektiven immer noch das Mittel der Wahl.
Und die beste Kamera ist sowieso immer die, die Ihr grad dabei habt 😉