Tarifa

Nach einigen schönen Tagen in Gibraltar bzw dem spanischen Pendant La Linea zuckeln wir weiter nach Tarifa. Die am südlichsten gelegene Stadt des europäischen Festlandes. Es sind kaum 30 Kilometer von Gibraltar aus – und kaum entspannt in Tarifa angekommen, werden wir gleich erstmal wieder von der Guardia Civil angehalten und routinemässig kontrolliert. Man beschäftigt sich intensivst mit unseren Ausweisen und den Fahrzeugpapieren, bemüht ausdauernd das Funkgerät, und läuft dabei etwa zehn mal um das Auto herum. Immerhin verzichteten die freundlichen Herren in Uniform auf einen Blick in den Kühlschrank, man begnügt sich mit einem oberflächlichen Blick ins Fahrzeug…

Aufgrund seiner Lage nahe Afrika, war Tarifa immer wieder Brennpunkt bedeutender geschichtlicher Ereignisse. Sehr viel davon kann man sehen, wenn man durch die Altstadt und entlang der Küste läuft.Der afrikanische Kontinent und sein Rif-Gebirge ist nur 14 Kilometer entfernt und bei gutem Wetter leicht zu sehen.

Im Hafen von Tarifa starten/ enden Fähren nach/ aus Marokko. Den Tagesausflug nach Marokko hatten wir auch vor, und wollten dafür in einem der Läden dort dafür Tickets erwerben. Im ersten Laden gab man uns zu verstehen, dass (angeblich) die nächsten zwei Wochen alles ausverkauft ist. Im zweiten Laden wollte man weder Englisch noch Französisch sprechen, nur Spanisch, was keiner von uns kann. Auch gestikulieren und zeigen mit den Fingern auf die „Angebote“ (in Englisch, Deutsch, Französisch, Arabisch…) hat nicht wie sonst weitergeholfen – man wollte wohl nicht. Sehr ungewöhnlich. Wirklich „witzig“, ein Angebot für Touristen ohne englischsprachiges Personal. Ebenso erging es uns mit den Touren, die Whalewatching anboten: Dort sprach man zwar Englisch, in den nächsten drei Tagen sei aber aufgrund irgendwelcher Wetterverhältnisse leider nicht mit Tierbeobachtung zu rechnen. Okay, immerhin fair dass man uns darauf hinweist, und nicht für absehbar nichts abzockt.

Also erstmal schönen Parkplatz suchen, und dann Altstadt in Ruhe angucken:

Strassenname in der Altstadt von Tarifa 😉

Tarifa ist einer der Hotspots in Europa für die Kiter/ Surferszene. Das ist aber längt auch eine Massenveranstaltung – zu jeder Zeit stapeln sich die Surferbusse auf den Parkplätzen, sind die Strände mit Surfschulen und ihren Schülern gut belegt.

Wir finden ein sehr leckeres und angenehm etwas abseits gelegens Restaurant, lassen den Tag später am Ende der Hafenmole mit spanischem Bier und Blick auf den Leuchtturm von Tarifa ausklingen. Als wir so die Lichter von Afrika im Hintergrund sehen, ärgere ich mich doch darüber, dass man uns zwei Touris nicht spontan auf einer der Fähren unterbringen kann, und wir beschliessen, da morgen in diesem Laden nochmal nachzuhaken.

Der Plan zerschlägt sich aber – alle Läden haben bis um 14 Uhr geschlossen. Okay, es soll wohl nicht sein….ärgerlich, aber nicht zu ändern, wozu aufregen oder noch Zeit verschwenden. Ein paar Kilometer von Tarifa entfernt soll es eine historische Ruinenstadt der Römer direkt am Mittelmeer geben. Da wir keine Lust haben, faul am Strand rumzuliegen, erscheint dies als lohnenswertes Ziel. Die Ruinenstadt heiss „Baelo Claudia“ und liegt direkt an einem schönen weitläufigen Strand, zu dem auch noch das offizielle Naturdenkmal „Sanddüne“ gehört. Die ist zwar „effektiv“ nur etwa 30 Meter hoch, aber irgendwie fordert das hochstapfen dort richtig Kraft.

Blick von der Düne:Endlose Pinienwälder….

Die Ruinen und ein Museum zu der Römerstadt „Baelo Claudia“, seinerzeit wohl ein gesellschaftliches und wirtschaftliches Zentrum in der Gegend, können von EU-Bürgern kostenlos besichtigt werden (weil die EU die gesamte Ausgrabung bezahlt, wie man erfährt). Man will unsere Ausweise sehen, und wir dürfen uns dann auf dem weitläufigen Gelände frei bewegen. Ich schrieb es ja irgendwo während der Reiseberichte hier schonmal – ich für mich bin ja überzeugt im falschen Jahrhundert oder Jahrtausend geboren zu sein 😉 Und wenn ich dann so über die freigelegten Steine einer 2000 Jahre alten Strasse oder durch die Säulengänge von Tempelresten gehe, vor meinem inneren Auge so einen Römer in seiner Tunika geschäftig entlangschreiten sehe, oder Händler ihre Fische feilbieten, weiss ich auch wieder warum 😉 Wer also mal dort in der Gegend ist – so oder so unbedingt angucken!

Da wir einen schönen Parkplatz und genug Vorräte an Bord haben, beschliessen wir, für heute hier zu bleiben und verbringen den Tag doch noch am Strand und vor allem im Wasser 😉 Abends ist der kilometerlange Strand fast menschenleer, und wir geniessen Ruhe und Freiheit.

Am nächsten Morgen herrscht sehr starker Wind. Wir haben noch genau 7 Tage bis wir wieder in Berlin sein müssen, das Navi sagt runde 3200 Kilometer Strecke. Da wir eigentlich gar nicht weg wollen, auf die Rückfahrt aber auch keine Lust haben, aber auch wissen was da vor uns liegt, kurven wir dort noch ein bisschen durch die Gegend. Allerdings schon irgendwie unmotiviert, immer die anstehende notwendige Rückfahrt im Hinterkopf. Inzwischen ist es auch überall recht voll geworden, mal spontan irgendwo Parken wird auch immer schwieriger. Und als die Guardia Civil uns mittags in Trafalgar anlasslos nochmal eingehend kontrolliert, reicht es dann. Als ob wir wie Flüchtlingshelfer aussehen *grummel*. Wir befüllen das Auto und die Vorräte, unser schöner Parkplaz in Tarifa ist noch/ wieder frei – ein letzter Tag und eine letzte Nacht noch, bevor es Richtung Heimat geht.

Über den sehr wichtigen offiziellen Wegscheucher mit seinem Quad am nächsten morgen um 6 Uhr, der alle Parker mit lautem ans Auto klopfen aufweckt, sie betont grimmig anguckt, Fotos von den Fahrzeugen macht und sich Autonummern aufschreibt, lachen wir nur noch. Ein Strafzettel dazu ist übrigens nie gekommen.

Innerhalb von zwei Tagen sind wir an der spanisch-französischen Grenze und beschliessen dort spontan, einen Umweg über Andorra zu machen.

Gibraltar

Von Ronda nach Gibraltar ist es kilometermässig nicht wirklich weit. Gemütlich tuckern wir durch die Berge Andalusiens durch fantastische Landschaft.

Die Ankunft in La Linea de la Conception – also die spanische Stadt gegenüber Gibraltar – irritiert uns erstmal: Wir finden uns inmitten zahlreicher Raffinerien wieder, es ist sehr schmutzig und riecht durchdringend nach Benzin und anderen Abgasen. Eine kleine Strasse direkt am Ufer führt in die Stadt, vorbei an Sandstränden direkt neben Pumpstationen für fette Tanker. Ich kann es kaum glauben – an diesen Stränden „geniessen“ reichlich Menschen die Sonne und planschen im Wasser. Schwer zu verstehen, warum man sich das inmitten der Schwerölwolken antut, ist doch kaum 5 Kilometer weiter ein sauberer 20 Kilometer langer Strand ohne Industrie. Na gut, jeder wie er mag….

Unseren Parkplatz hatten wir vorher via Google gefunden: Direkt gegenüber des Felsen von Gibraltar mit bestem Ausblick auf den gesamtem „Staat“ 😉

Für 12 Euro/ 24h in einer privaten Marina, keine 300 Meter vom Grenzübergang nach Gibratar. Sehr sauber, ruhig, schön und vor allem bewacht. So können wir das Auto beruhigt stehen lassen, und stundenlange entspannte Streifzüge durch La Linea und vor allem auf den Felsen von Gibraltar unternehmen. Abends kommen aber erstmal Wolken auf. Man konnte richtig sehen, wie die Wolke am immerhin 426 Meter hohen Felsen „hängen blieb“.

Am nächsten Morgen ist aber wieder schönes Wetter, und so stehen wir als Fussgänger voller Tatendrang um kurz nach 9 Uhr an der Grenzkontrolle nach Gibraltar (britisches Hoheitsgebiet), werden ohne grosse Aufmerksamkeit durchgewunken. Sobald man durch die Kontrolle durch ist, steht man vor der ersten Besonderheit dieses Mini-Staates: Die Landebahn des Flughafens verläuft quer zur Hauptstrasse. Diese wird jedesmal, wenn ein Flugzeug startet oder landet, gesperrt. Eine Übersicht verdeutlicht die Situation am besten:Fotografiert später von Upper Rock, also auf dem Felsen von Gibraltar. In der rechten Bildhälfte ist die Landebahn zu sehen, die von der Strasse gekreuzt wird – die einizige Strasse, die nach Gibraltar (bzw zurück nach Spanien) führt. Im Hintergrund La Linea de la Conception. Wenn grad kein Flugverkehr ist, läuft man da einfach so rüber, in die Stadt Gibraltar.

Nach dem Flughafen beginnt sofort die Stadt. Wir frühstücken erstmal „typisch british“ und machen uns dann auf den Weg auf den Felsen. Zwar fährt da eine Seilbahn hoch, aber das mögen wir beide nicht so. Auf die vollgepferchten Mini-Vans für Touris, die wir da rumfahren sehen haben wir auch keine Lust. So „schrauben“ wir uns zu Fuss bei immer besserem Wetter den Berg hoch. Immer wieder eröffnen sich dabei tolle Aussichtspunkte auf Gibraltar selbst, die Bucht von Algeciras und die Strasse von Gibraltar bis nach Afrika.

Links die Strasse von Gibraltar, ganz links schon Marokko:

Immer schon ein strategischer Punkt am Südende Europas, ist der Berg von 50 Kilometer Tunneln durchzogen (die man gegen Gebühr teilweise besichtigen kann). Es gibt eine Tropfsteinhöhle und natürlich die berühmten Berberaffen. Der gesamte Felsen (Upper Rock) ist Naturschutzgebiet, und die Tiere können sich völlig frei bewegen. Sogar in der Stadt unten haben wir am nächsten Tag welche gesehen.

Als wir da waren, waren die Tiere ganz entspannt, keins hat versucht uns was zu klauen 😉 Von anderen Touristen füttern lassen wollten die sich aber auch nicht – das dürften nur die Taxifahrer. Man kennt sich eben 😉

Wir laufen an diesem Tag wieder mal fast 30 Kilometer bergauf und bergab, Grund genug den Abend entspannt ausklingen zu lassen. Es ist so um die 30 Grad warm – nach regelmässsig über 40 Grad in den letzten Wochen ist das irgendwie sehr entspannend.

Nach zwei Tagen wechseln wir den Standort und finden noch eine andere nette Aussicht auf La Linea, Gibraltar und Afrika:

Als wir am nächsten Morgen an der Küstenstrasse zum LIDL fahren, geraten wir unbeabsichtigt in aktuelle Zeitgeschichte: Ein Speedboot brettert auf den Strand und etwa zwanzig „Flüchtlinge“ rennen wie die Hasen über die vielbefahrende Strasse, um in den engen Strassen der Stadt wahrscheinich für immer abzutauchen. Der Guardia Civil – die schnell da ist – bleibt aber nicht anderes, als den brennenden Motor zu löschen und das Boot vom Strand wegzuschleppen. Einer der Schaulustigen hat uns erzählt, dass das etwa 2 mal die Woche so oder so ähnlich passiert. Hab nur ein paar Handyfotos gemacht..

Eine Nacht noch in Gibraltar, dann geht es weiter nach Tarifa.

Ronda (Andalusien/ Spanien)

Vom Mittelmeer ging es dann also ab Marbella wieder in das Landsinnere. Von Normalnull am Meer auf 723 Meter nach Ronda. Luftlinie nur etwa 40 Kilometer Strecke – da es sich aber über endlose Serpentinen um die Berge herum aufwärts schraubt, sind es am Ende fast 200 Kilometer Strecke. Ausserdem sind wir fast 5 Stunden unterwegs – das liegt aber eher daran, dass wir an fast jedem jedem möglichen Punkt anhalten, um die unglaublich schöne Landschaft und Aussicht zu geniessen.

In Ronda angekommen, fahren wir gefühlt zweimal in grossem Bogen um den ganzen Ort, der auf einem hundert Meter hohen Felsplateau liegt, um einen schönen Parkplatz zu suchen. Den finden wir dann schliesslich in den Obstbaumplantagen im Nirgendwo gegenüber. Mit bester Aussicht auf Ronda bei jeder Tag- und Nachtzeit, ohne sich gross vom Auto wegbewegen zu müssen 😉

Es ist fast abartig heiss, teilweise zeigt das Thermometer 45 Grad (Schatten!), nachts kaum unter 30. Trotzdem latschen wir am nächsten Tag durch das Tal bergab und bergauf hinüber zum Ort.

Die Strecke an sich ist eigentlich gar nicht nenneswert, aber irgendwie macht die Hitze uns jetzt doch zu schaffen. Die Stadt selber ist schön, gibt aber nicht all zu viel her. Hauptattraktion ist die „Puente Nuovo“, die die hundert Meter tiefe Schlucht überspannt.

Von der Brücke ins Nirgendwo fotografiert – da hinten links am Horizont, zwischen den Bäumen parken wir…am Ende drei Tage ungestört, bis uns Wasser und Vorräte ausgehen.

Weil ich unbedingt abends ein ganz bestimmtes Panorama da machen will, wollen wir uns das hin- und herlaufen zum Auto sparen, verbringen die Zeit abwechselnd mit schattigen Restaurants und ruhigen Ecken in der Stadt. Die gewünschte Szene zeigt sich dann abends zum Sonnenuntergang in ganz eigentümlichem Licht…

Schon ziemlich matt, machen wir uns dann noch auf den Rückweg durch das Tal zum Auto, und kommen da endgültig fertig zwei Stunden später an. Am nächsten Tag passiert nicht viel – Vorräte haben wir noch, der anstrengende Tag zuvor und die Affenhitze bescheren uns einen ruhigen Tag ohne jede Aktion in der Natur. Nachdem den ganzen Tag keine Menschenseele vorbeigekommen ist, lassen wir nachts alle Autotüren auf. Tatsächlich schlafen wir gut und ungestört, bis uns am nächsten Morgen der dröhnende Motor eines Jeeps weckt. Offensichtlich gehört zum Fahrschulprogarmm in dieser Gegend, in den Bergen Abhänge runter und wieder rauf zu fahren. Ich nehme eher an, man wollte unauffällig mal gucken, wer da so in der Gegend parkt. Nach 15 Minuten ist alles wieder ruhig. Nachmittags laufen wir nochmal nach Ronda, gehen lecker essen, schlendern nocheinmal durch die Altstadt. Der Ruhetag zuvor hat gut getan – obwohl die Temperaturen sich nicht verändert haben uns es unverändert heiss ist, kehren wir sehr entspannt irgendwann nachts zum Auto zurück.

Die gesamte ursprüngliche Reisestreckenzeitplanung hat sich ja in Frankreich schon als Makulatur erwiesen. Irgendwie bringt das ganze planen gar nichts, ausser Druck und Zeitstress. Inzwischen sind wir über drei Wochen hinter unserer Planung hinterher – das holen wir nicht mehr auf, und so beschliessen wir, Portugal für dieses mal zu vergessen. Sind wir ja selber Schuld mit der Trödelei. Da drei Monate irgendwann zuende gehen, überlegen wir uns nun, wie wir die verbleibende Zeit am besten Nutzen, und was wir noch „mitnehmen“. Das nächste Ziel lautet daher: Gibraltar!

Fuengirola – Castillo de Sohail (Spanien)

Nach ein paar Tagen in Granada verabschieden wir uns dort, fahren durch die Berge Andalusiens zurück ans Meer. Bewusst haben wir für diese Strecke die Autobahn gemieden – und werden mit gigantischen Aussichten, Bergen, Tälern und Landschaften belohnt.

Wie immer: KLICK auf das Pano öffnet grosse Ansicht:

Stundenlang fahren wir über teilweise ziemlich enge und sehr kurvige Strassen bergauf und bergab, durchs Hochgebirge Andalusiens, treffen kaum auf ein anderes Auto, geschweige denn Menschen. Nur ab und zu mal 😉

Der kleine Hund ist ganz entspannt etwa 15 Minuten irgendwo auf der Gegenspur vor uns her gelaufen, hat sich gar nicht aus der Ruhe bringen lassen 😉

Es ist dauerhaft tagsüber über 40 Grad heiss, nachts sinkt das Themormeter kaum unter 25 Grad.

Wir übernachten im Niemandsland in den Feldern. Von mittags etwa 17 Uhr bis zum nächsten Morgen sehen wir keine andere Menschenseele.

Ganz Andalusien ist eine Gegend, wo man sich wahrscheinlich monatelang rumtreiben kann, jedenfalls solange man sich nicht an den Stränden aufhält. Tage später erreichen wir trotzdem bei Nerja wieder die Küste des Mittelmeers. Wir übernachten irgendwo an einer Küstenstrasse, und in den nächsten zwei Tagen geht es nun via Torre del Mar und Malaga bis nach Fuengirola. Keine Ahnung was wir erwartet hatten, jedenfalls sind wir grenzenlos enttäuscht: Buchstäblich jeder Meter hier ist eng zugebaut mit ungefähr 20-stöckigen Hotelbunkern, die Städte bis in die Berge hinein mit „Ferienanlagen“ und Appartmentsiedlungen zugepflastert. Die Strände sind dicht mit Badegästen belagert, Parken kostet überall teuer Geld, unglaubliche Massen von Touristen und entsprechender Betrieb nerven uns total – sowieso schon, und nach Tagen und Wochen in ziemlicher Abgeschiedenheit zuvor, erst recht. Zudem werden wir einmal wegen angeblich 38 (statt erlaubten 30 km/h) mit Sofortkasse geblitzt, und weitere zweimal von der Guardia Civil anlasslos angehalten und kontrolliert, um nicht zu sagen gefilzt. Als der sehr wichtige Herr Polizist mit seiner Uniform auch noch in den Kühlschrank im Auto gucken will, muss ich mich ziemlich zurücknehmen nicht pampig zu werden. Spanien von seiner massentouristischen Seite – was haben wir hier verloren?

Nach einer Nacht im Schatten des Castillo de Sohail (noch eine uralte ehemalige maurische Festung) in Fuengirola sind wir froh, wieder ins (erhoffte) ruhige Landesinnere mit Ziel Ronda zu fahren.

Granada (Alhambra)

Nach Toledo und einem spontanen Zwischenstop am Castillo de Almonacid sowie den Windmühlen von Consuegra gehts fast nur auf der Autobahn durch eine grandiose Berglandschaft Richtung Granada. Wir erleben mitten in den Bergen ein wirklich heftiges Gewitter, welches leider das Auto komplett sauber macht. Auffällig ist die angepasste Geschwindigkeit der anderen Autofahrer: Rasen zB in Deutschland auch bei starkem Regen ein paar Unbelehrbare mit hoher Geschwindigkeit durch den Regen, fährt man bei entsprechenden Wetterbedingungen in Spanien sehr angepasst und langsam über die Autobahn- und ich meine nicht die dort sowieso vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h.

Wieder um die Mittagszeit kommen wir in Granada an. Es hat über 40 Grad, dreimal fahren wir im Kreis auf der Suche nach dem Parkplatz. Scheinbar war das Navi nicht aktuell, der Verkehr in der Stadt ist dazu nervig, ein seltsames undurchsichtiges Einbahnstrassensystem verwirrt uns. Der anvisierte Parkplatz liegt auf einem Stadthügel. Beim vierten Anlauf finden wir das dann auch endlich, und werden mit einem schönen ruhigen Platz in zentraler Lage belohnt.

Granada ist nicht nür für seine alte Festung – eben die Alhambra – berühmt, sondern gilt auch als Aussteigerparadies in Andalusien.

Durch einen Zufall kommen wir in Kontakt mit ebensolchen Aussteigern, in diesem Fall aus Deutschland. Man ist der Überzeugung, nichts zu benötigen, übernachtet freiwillig ganzjährig maximal in den umliegenden Höhlen, und will im übrigen seine Ruhe. Bei mir rennt man damit offene Türen ein, und wie immer, ist es dieselbe Geschichte: Gutverdienende Leute aus dem vermeintlich bürgerlichen Leben steigen mit Mitte 40 aus, verkaufen Haus, Porsche und restlichen Besitz und ziehen es freiwillig vor, mit einem kleinen Rucksack voller Habseligkeiten auszukommen und ihr Geld zB mit Gitarrenspiel für die Touris zu verdienen. Über den von einem unserer Bekanntschaften gehörten Satz „am glücklichsten war ich als ich hier ankam, nur mit Schlafsack und nem kleinen Rucksack Klamotten“ könnte ich seitenweise schreiben…

Schon in Frankreich haben wir u.a. einen getroffen, der nur sein altes „Zündapp-25ccm-Mofa“ samt Anhänger für Zelt etc hatte, mit seinen beiden kleinen Hunden vom Verkauf seiner unterwegs gemalten Bilder lebt und sehr glücklich wirkte. Natürlich erfährt man bei solchen Treffen selten die wahren Hintergründe, wie es vielleicht zu diesem Lebenswandel gekommen ist, warum und wie jemand wirklich so lebt. Dennoch gibt es eine ganze Reihe Menschen, die „ausgestiegen“ sind und freiwillig und ohne Not ihr sehr individuelles Leben leben. Die findet man selten bis nicht im Netz und schon gar nicht bei Facebook, die kann und muss man live treffen.

Für mich als sowieso überzeugten Minimalisten und meine Begleiterin als „mich intressiert Materielles nicht“ – eröffnet die Offenheit und Geschichte unserer Bekanntschaft in Granada immer noch neue Sichtweisen und Perspektiven. Bis morgens um 4 sitzen wir zusammen am Lagerfeuer, grillen trinken und unterhalten uns. Drei Nächte geht es so, Fotos geraten in den Hintergrund. Tagsüber zeigt das Thermometer 45 Grad im Schatten. Wir kommen wieder!

Nach einigen Tagen fahren wir dennoch weiter….erstmal zurück ans Meer.

Castillo de Almonacid (Spanien)

Als wir am späten Morgen in aller Seelenruhe in Toledo Richtung Granada aufbrechen (um 10 Uhr sind schon 32 Grad, so nebenbei mal bemerkt), ging es zunächst über die (gut ausgebauten) Landstrassen durch endlose Felder und Baumplantagen. Eigentlich wollten wir nur kurz die mehr oder weniger auf dem Weg liegenden berühmten Windmühlen von Consuegra besuchen (Don Quichote). Tja…wäre ein tolles Motv in einem farbenfrohen Sonnenuntergang gewesen – dann eben beim nächsten mal!

Dann entdecken wir noch durch Zufall die Ruine eines uralten Kastells (aus der maurischen Zeit). Spontan fahren wir von der „Autobahn“ ab und quälen den Motor die steile Sandstrasse den Berg zur Ruine hinauf. Wir haben zur allgemeinen Freude das alte Kastell und den Berg ganz für uns alleine!

Ich bin ja für mich sowieso der Überzeugung, im falschen Jahrhundert zu leben  😉 – an dieser Ruine hätte ich tagelang sitzen können und mich ein paar hundert Jahre zurückdenken können.Der Wachhabende mit seinem Speer, der den Wehrgang abschreitet…der Kalif oben auf der Aussichtsplattform seines Wohnturm, wie er wohlwollend oder kritisch alles beobachtet… aber lassen wir das 😉 

Nur schwer können wir uns von diesem Ort losreissen…irgendwann geht es  dennoch weiter Richtung Granada!

Toledo

Nach Valencia und zwei weiteren Tagen im unweiten Cullera wegen der notwendigen Autoreparatur, ist das nächste Ziel das etwa 400 Kilometer entfernte Toledo, auch so eine historische Metropole in Spanien. Zum ersten mal seit Wochen bewegen wir uns damit von der Küste des Mittelmeers weg. Da es zunächst Richtung Hauptstadt Madrid geht, ist die Autobahn gut ausgebaut. Die letzten hundert Kilometer geht es über Landstrassen, die teils dutzende Kilometer schnurgerade durch eine karge und einsame Landschaft führen. Es wird über 40 Grad heiss – ich bin froh dass die Klimananlage wieder funktioniert. Irgendwann mittags kommen wir in Toledo an. Leider völlig von Touristen überlaufen. Bei 43,5 Grad im Schatten schlurfen wir durch die Altstadt bergauf und bergab – verziehen uns aber bald wieder. Zu heiss und zu voll.

Wir finden den avisierten Fotopunkt und können da auch direkt entspannt parken. Leider zieht es sich zum Abend etwas zu. Da es auch die nächsten Tage so bleiben soll, fahren wir am nächsten Tag weiter. Zuviel Zeit schon haben wir in Frankreich vertrödelt, und durch die ein oder andere Unwägbarkeit „verloren“. Zwar gibts keinen direkten Zeitplan, aber ein paar Sachen wollten wir schon doch unbedingt schaffen. Also müssen wir uns jetzt etwas ranhalten 😉 – nächstes Ziel nach einem ungeplanten Zwischenstop ist Granada!

Valencia Skyline Panorama

Nachdem wir Barcelona Samstags in aller Frühe Richtung Süden verlassen haben, haben wir uns irgendwo im Niemandsland erstmal zwei Tage von „Stadt“ erholt. Wir klappern unzählige verschlafene Dörfer entlang der Küste ab, die noch verschlafener sind, wenn man etwas landeinwärts fährt.

Am Auto ist schon seit Frankreich die Klimaanlage defekt, das kann ich nicht unterwegs selber reparieren. Da die Temperaturen in Spanien sich der 35-Grad-Marke nähern, wird es Zeit sich um dieses Problem zu kümmern. Wir beschliessen, nach Valencia weiter zu fahren, wo es eine Werkstatt meines Fahrzeugherstellers geben soll. Die hat es anscheind nicht nötig und will uns einen Termin in „etwa drei Wochen“ geben. Ich frage zweimal nach weil ich erst dachte, ich hab mich verhört oder die Sprache falsch verstanden. Solange wollen wir aber dann doch nicht warten, Servicewüste deutsche Autohersteller und insbesondere Vertragswerkstätten, sage ich nur.

Wir schütteln die Nerverei ab, und gucken uns also Valencia an – auch hier steht übrigens wie in Barcelona überall Polizei mit Maschinenpistolen. Ganz intressant fand ich die „Ciutat de les Arts i les Ciències“, also die „Stadt der Künste und der Wissenschaften„. Eine Gebäudesammlung in einem alten Flussbett, entworfen von den berühmten spanischen Architekten Santiago Calatrava und Félix Candela. Links ein Opernhaus (Palau de les Arts Reina Sofia), dann „L’Hemisféric“, ein 3D-Kino, das langgestreckte Gebäude rechts mit der Treppe ist ein Museum und Konferenzort (Museu de les Ciències Príncep Felip), rechts am Bildrand dann noch „L’Àgora“ (Veranstaltungshalle) und die Brücke „Pont de l’Assut de l’Or“, deren Pylon den höchsten Punkt Valencias darstellt.

Am nächsten Tag ziehen wir weiter, waren wir eigentlich doch eh nur wegen der Autowerkstatt hier. 30 Kilometer südlich von Valencia finden wir spontan eine freie Werkstatt in Cullera – man bemüht sich rührend mithilfe des Google-Translators, bittet uns am nächsten Morgen wieder zu kommen – und repariert die defekte Klimaanlage am Auto tatsächlich dann am nächsten Tag innerhalb einer Stunde. Geht doch! Weil man sich dort echt und herzlich bemüht hat, geben wir grosszügig Trinkgeld und laden den Schrauber, der wohl auch Inhaber ist da, nach Berlin ein, was ihn für uns unerwarteterweise zu Tränen rührt. Nachdem sich alle wieder beruhigt haben, besteht er darauf, uns abends in sein Haus zu seiner Familie zum Essen einzuladen. Er kritzelt uns eine Adresse auf einen Zettel, reichlich 50 Kilometer im Landersinneren, aber egal, das war es wert. Es wurde ein langer Abend, und am nächsten Tag brauchen wir etwas länger um wach zu werden 😉

Auf geht’s nach Toledo!

Barcelona Panorama

Nach vier trödeligen Wochen in Frankreich und am Cap de Creus schon in Spanien, kommen wir Mitte Juni also in Barcelona an. Sonntag vormittags, um dem normalerweise dauerchaotischem Verkehr in der trotzdem schönen Stadt zu entgehen. Weil ich drei Tage hier arbeiten muss darf, haben wir ein paar Tage ein schönes Hotelzimmer unweit der Tagungsstätte, denn ich muss ja da halbwegs gepflegt und ordentlich auftreten. Die Temperaturen steigen tagsüber auf 35 Grad, der Job geht jeden Tag von 9 bis 23 Uhr – viel gesehen habe ich also diesmal von Barcelona nicht. Immerhin waren wir am ersten Abend noch auf dem Tibidabo, dem „Hausberg“ von Barcelona.

KLICK auf das Pano für grösser:

Erschreckend ist, wie sich die Stadt seit meinem letzten Besuch vor ca. 2 Jahren verändert hat. Als wir diesmal am letzten Abend die berühmten Wasserspiele besuchen, befindet sich die gesamte grosse Strasse dort mit ihren breiten Bürgersteigen fest in der Hand wohl hunderter Ramschhändler. Zudem ist es abartig voll mit Touristen, und überall dazwischen Polizei mit Maschinenpistolen und nicht enden wollender Autoverkehr. Okay, auch wir sind ja dann ein Teil dieser Menschenmassen – von Spass ist da aber keine Rede mehr. Wir gucken uns die Wasserspiele ohne Fotos an und verschwinden möglichst schnell, denn morgen früh können wir zum Glück weiterfahren.

Cap de Creus – Cadaqués und El Port de la Selva

Weiter geht es mit ein paar Bildern der diesjährigen Südeuropa-Reise. Nach der schwäbischen Alb und fast zwei Wochen in Südwest-Frankreich ging es nun endlich nach Spanien. Immer an der Küste entlang durch die Pyrenäen nach Katalonien – das Cap de Creus erschein uns ein angemessenes Zwischenziel, bevor wir endgültig nach Barcelona mussten.

Auch am Cap de Creus – ein weitläufiges Naturschutzgebiet, welches sich über die gesamte Halbinsel erstreckt – war noch nicht wirklich Urlaubssaison. Die Strassen waren also halbwegs leer, und in den Dörfern herrschte entspannte Ruhe. So landeten wir am ersten Abend in Spanien in Cadaqués, wo wir den Tag zum Sonnenuntergang in einem netten Restaurant direkt an der Bucht haben ausklingen lassen.

Am nächsten Tag gings dann auch schon „zurück“ Richtung Strasse nach Barcelona. Ein netter Ort (El Port de la Selva) und ein spontan wirklich schöner Parkplatz haben uns die zwei Tage da angenehm gemacht.

Wir stehen direkt am Meer, und als ich am morgen aufwache und verschlafen aus dem Autofenster linse, erblicke ich auf an einem der umliegenden Berge eine Klosterruine im Hang. Die hatte ich am Tag vorher gar nicht bemerkt, wahrscheinlich wegen dem Sonnenstand. Eine schnelle Internetrecherche ergab: Aha, heist Sant Pere de Rodes, liegt auf 502 Meter Höhe und kann man besuchen, angeblich runde 5 Kilometer Fussweg vom aktuellen Parkplatz am Meer. 5 Kilometer Fussweg nur bergauf, das erschien machbar, sitzt man doch auf so einer Reise viel zu viel im Auto und Bewegung schadet nix.

Tja, keine Ahnung wie verschlafen ich da anscheinend war oder was die App wirklich angezeigt hat. Es waren jedenfalls am Ende bis zur Ruine fast 11 Kilometer in immer neuen endlosen Serpentinen bergauf, und wir kamen ziemlich erledigt oben an. Das Wasser war schon lange alle, und die Temperaturen kletterten auf 34 Grad. Die schattenlose Strasse nach oben ist eine eigentlich gut ausgebaute Betonpiste, und aus jedem Autofenster wurde irgendwas zwischen aufmunternd bis verständnislos zu uns geglotzt 😉

Die Klosterruine selbst war bis auf das zum Glück vorhandene Restaurant nicht so wirklich intressant, aber das war mir an dem Tag inzwischen auch egal 😉 Nach einer Stunde im Schatten sind wir aber wieder fit und laufen aus lauter Trotz die Strecke auch wieder runter zum Auto. Immerhin werden wir mit ein paar schönen Aussichten auf das Mittelmeer belohnt, die einem beim „Aufstieg“ irgenwie entgangen sind. Dennoch zeigt der Schrittzähler, unten angekommen, 26 Kilometer an – wir finden das genügt für den Tag und hängen den Abend faul in einem Restaurant rum.

Am nächsten Tag ging es dann schon weiter nach Barcelona.